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Strategische IndustriepolitikScience und Strategie als Modell
Europas Traum ewiger Energie
Die Vereinigten Staaten auf Ölentzug
Ölfreies Leben in Plan und Finanzen
Energie
Solares Symbol auf Schule in SydneyAutogas Tankstellen
Pelletheizung
Autogasbetrieb
Erdwärmepumpe
Europas Traum ewiger Energie
Der in früherer Zeit vergebliche Traum der Europäer vom Perpetuum Mobile, der Energie aus dem Nichts, kann heute in etwas anderer Form Wirklichkeit werden. Mit Hilfe solarer Technologien kann den nördlichen Teilen Afrikas Strom und Wärme für die Länder nördlich des Mittelmeeres erzeugt werden. Die Technologie gibt es, die Größen sind überschaubar und finanzierbar.
Der Schlüssel zum Wohlstand in diesem Jahrhundert ist nicht gleichbedeutend mit dem Besitz von Ölquellen. Es ist ein Schatz, der in den Wüsten Nordafrikas nirgends so intensiv wie sonst auf der Welt zu finden ist, die Sonne. Wissenschaftler des Forschungsverbundes TREC [1] erarbeiteten im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt[2] zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine Strategie mit Namen Desertec (Wüstentechnik). Sie besteht aus Studien über die notwendige Technik, ihre Dimensionen und ihre Einführung. Anders als die Pläne Schwedens, das ganze Land vom Öl zu befreien, behandelt sie nur einen Teilbereich der Wirtschaft.
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Faszination ewiger Energie
Die heute überwiegend armen und perspektivlosen Staaten Marokko, Ägypten, Algerien, Sudan und vor allem der ölarme Nahen Osten bekommen einen Weg zu Wohlstand und die Möglichkeit zu einer eigenen Kulturleistung. Für ihr eigenes Volk erhalten sie Trinkwasser in großen Mengen, eine Infrastruktur, mit der sie eine moderne Solarthermie-Wirtschaft aufbauen können und ein nachhaltig wertvolles Exportgut: umweltfreundlich gewonnenen Strom.Strategisch gewinnt Europa mehrfach. Es würde unabhängig von Kernkraft. Es gibt keinen radioaktiven Müll, keine klimaschädlichen Kohlekraftwerke, kein russisches Gas, keine aufwändig hergestellten ultradünnen Solarzellen und keine noch unbekannten Reakturen für Kernfusion. Europas islamische Flanke besitzt Frieden, Wohlstand und einen gestärkten kulturellen Stolz. Das bedeutet wesentlich weniger Einwanderungsdruck sowie eine bedeutend geminderte Gefahr humanitärer Katastrophen und militärischer Auseinandersetzungen in der sonst so unruhigen Region.
Technik von Desertec
Die Desertec-Studien beinhalten ein aufeinander abgestimmtes Konzept von Solar-Spiegel-Kraftwerken in der Wüste Sahara, von Windkraftanlagen an der afrikanischen Westküste und Gleichstromleitungen, die den gewonnenen Strom nach Europa transportieren und mit der Abwärme in Meerwasser-Entsalzungsanlagen Trinkwasser produzieren. Solar-Spiegel-Kraftwerke laufen seit über zwanzig Jahren zuverlässig. Die Technologie ist da, einfach und bewährt. Sie stellt heute schon in Nevada (USA)[3], Spanien und Australien ihre Tauglichkeit unter Beweis. Spiegel werfen das Sonnenlicht auf eine Leitung mit Flüssigkeit. Sie wird schlicht erhitzt und betreibt eine klassische Dampfturbine. Die Technologie ist grundlastfähig und arbeitet auch zuverlässig über Nacht. Mit Hilfe von Tanks flüssigen Salzes wird die tagsüber gewonnene Wärme gefangen gehalten und so durchgehend Strom erzeugt.Die eigentliche Herausforderung liegt im Stromtransport nach Europa. Die bisher bekannten Hochspannungsleitungen für Wechselstrom taugen dafür nicht, weil die Übertragungsverluste zu hoch sind. Nach Michael Straub von Forschungsverbund TREC wird der Strom für den Transport daher in Gleichstrom umgewandelt. Hier sind die Leitungsverluste wesentlich geringer. Nur, wie kommt der Strom über die Straße von Gibraltar und Portugal? Auch dafür gibt es eine Antwort. Die dafür notwendigen Unterwasserleitungen müssen nicht erst erfunden werden. Sie sind schon da und versorgen heute Bohrinseln im offenen Meer.
Dimensionen und Kosten der Solarthermie
Müssen wir die gesamte Sahara mit Solarspiegeln zupflastern? TREC beruhigt an dieser Stelle, weil die benötigte Fläche wesentlich kleiner ist als erwartet. Für den Bedarf Europas müssten Solar-Spiegel-Kraftwerke etwa die Fläche Österreichs überdecken, Deutschland benötigt etwa mit knapp einem Sechstel ein Quadrat von etwa 50 Kilometer. Das ist immer noch viel, aber weniger als 0,3 Prozent der Wüstenfläche der Sahara[4]. Die Windkraftwerke mindern diesen Flächenbedarf und verbreitern die Energiebasis.Nach dem Szenario des DLR würden die Gesamtinvestitionen knapp 400 Milliarden Euro betragen, verteilt auf etwa 30 Jahre. Für 350 Milliarden Euro erhält man die notwendige Kraftwerkskapazität. 50 Milliarden Euro sind für den Abtransport des Stroms im Leitungsnetz notwendig. Im Jahre 2020 würde Strom aus Solar-Spiegel-Kraftwerken im Vergleich zum fossil erzeugten Strom konkurrenzfähig sein, so TREC[4a]
Problem von Desertec
Wenn es so einfach ist – wieso hat noch keiner angefangen? Am Wagniskapital liegt es nicht, davon ist nach Ansicht der Banken genug im Markt. Bis zu den Plänen des Grand Solar Plan schlief nach dem ersten Schock der Ölpreise in den siebziger Jahren das Interesse nach Eröffnung der ersten Solar-Spiegel-Kraftwerke in Amerika wieder ein. Das Öl wurde wieder unschlagbar billig. Es wurde dann schwer, in den Ölstaaten das Interesse für diese Technologie zu wecken. Wozu auch, wenn der Strom einen halben Cent kostet[5]?Viele Fragen sind noch unbeantwortet: Wie sehen die politischen und militärischen Sicherheiten für ein neues Rückgrat der europäischen Stromversorgung aus? Wer promotet ein solches System in der Europäischen Union? Vielleicht der Franzose Sarkozy auf der Suche nach dem Sinn seiner umstrittenen Mittelmeerunion? Wie wird ein internationales System für die Verteilung der Verluste in der Anfangszeit eingerichtet, ähnlich dem deutschen Einspeisegesetz (EEG)? Wer betreibt ein solches Netz, eine überstaatliche Einrichtung oder ein Netz privater Unternehmen? Welchen Anteil des Strombedarfs decken wir aus der Sahara, welchen behalten wir selbst in Europa?
Wo der Weg, da muß auch der Wille sein! Sicher von hoher Bedeutung ist der kulturelle Ausgleich und der Respekt der Europäer gegenüber den sich historisch zurückgesetzt fühlenden arabischen Staaten am Mittelmeer. Ohne Überwindung dieser Schwierigkeit ist keine Grundlage für langfristige politische Übereinkommen und stabile Geschäfte zu sehen. Aber meistens ist der Anpassungsdruck des Menschen bester Zuchtmeister. Und das ist die Chance, die Vision eines Tages zu erleben.
Die englische Version finden Sie hier, den Quellennachweis hier.